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Dieter Spannagel gehört beim Armwrestling zu den Besten der Welt

Kaufbeuren (Stephan Schöttl) | 21.06.2012 00:00 Uhr

Eigentlich wollte Dieter Spannagel seine Karriere als Armwrestler – einer Sportart, die sich aus dem Armdrücken entwickelt hat – schon längst beenden. Nach einem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft und mehr als zehn deutschen Meistertiteln. Doch dann packte ihn die Leidenschaft noch einmal. Und diese Leidenschaft merkt man ihm mit jedem Wort an, wenn er von der Europameisterschaft der Armwrestler im polnischen Danzig erzählt.

„Das ist eine Kunst für sich“

Spannagel lobt die Organisation des Turniers in Polen, bei dem über 400 Sportler aus 24 Nationen am Start waren. Dass er dort als Westeuropäer eher ein Exot war, kommt nicht überraschend. Während seine Sportart in Deutschland ein Schattendasein pflegt, ist das Armwrestling in Osteuropa ein echter Renner.

Die russischen Aktiven etwa, erzählt der 33-jährige Kaufbeurer, werden staatlich gefördert, in der Türkei seien Preisgelder von bis zu 20 000 Euro üblich und bei der jüngsten EM wurden alle Wettkämpfe im polnischen Fernsehen übertragen. „In Europa und vielen anderen Ländern der Welt ist Armwrestling sehr beliebt“, sagt Spannagel.

Er hingegen muss sogar die Reisekosten meist selbst übernehmen. Daher sei er auch ständig auf der Suche nach Sponsoren. „Ohne die wäre vieles gar nicht möglich“, meint er.

Die Wochen vor der Europameisterschaft hätten für den Kaufbeurer nicht besser laufen können. Zunächst holte er sich bei der deutschen Meisterschaft in seiner Klasse die nationalen Titel 13 und 14 seiner Karriere. Dann quälte er sich einen Monat lang in einer intensiven Vorbereitung.

Eigentlich, erzählt er, habe er abnehmen wollen, um in der Klasse bis 85 Kilogramm starten zu dürfen. „Aber ich habe mich dabei nicht gut gefühlt und ein bisschen Angst gehabt, dass ich Kraft verlieren könnte“, sagt Spannagel. Letztlich zahlten sich die Strapazen aus, auch mit seiner Entscheidung gegen das Abkochen lag er richtig: Bei seiner vierten EM-Teilnahme kam Spannagel zum ersten Mal auf das Siegerpodest.

In der Klasse bis 90 Kilogramm Körpergewicht gewann er mit dem rechten Arm, seiner stärkeren Seite, die Silbermedaille – hinter einem Russen.

Mit dem linken Arm landete er hinter einem Letten und einem Ukrainer auf dem dritten Platz und wurde dafür mit der Bronzemedaille belohnt. Noch dazu hatte er in einem Duell sogar einen mehrfachen Welt- und Europameister aus Russland geschlagen. „Das war viel mehr als ich zuvor erwartet hatte. Eigentlich wollte ich nur mit einem Arm unter die besten Drei“, erklärt er.

Auf die richtige Taktik und Technik komme es besonders an. „Ja, man braucht nicht nur Kraft“, sagt der 33-Jährige. Armwrestling habe mit dem gewöhnlichen Armdrücken im Bierzelt so gut wie nichts gemeinsam. Die Disziplin sei vielmehr eine Kunst für sich, bei der es um Bewegungsabläufe und richtige Winkel des Ellbogens geht. Das Training sei daher recht vielseitig.

In den kommenden Wochen und Monaten will sich Spannagel auf zwei große Wettbewerbe vorbereiten: ein Einladungsturnier in Moskau, bei dem nur die Besten der Welt dabei sind, und auf die Weltmeisterschaft im September in Brasilien. Mit Prognosen hält er sich dezent zurück: „Mal sehen, was dort so alles möglich ist.“

www.dspannagel.de

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