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Armwrestler würde beide Klitschkos schlagen

Bericht TZ-Online Sport 30.06.2011

 

München – Armwrestling? Das haben die meisten Menschen wahrscheinlich noch nie gehört. Champion Dieter Spannagel erklärt wie es geht und glaubt, dass er die Klitschkos schlagen würde.

Bild © Sampics
Jede Serie hat ein Ende: ­Armwrestler Spannagel beim ­Kräftemessen mit der tz-Reporterin Lena Meyer.

So, dann mal Tacheles. Messband ausgerollt, bitte einmal Arm anspannen. Ich will Fakten sehen, schließlich spreche ich seit einer Stunde mit Arm­wrestler Dieter Spannagel. 44 Zentimeter Umfang? Ich messe noch einmal nach – Tatsache, stimmt. So viel wie bei Schwergewichts-Boxer Wladimir Klitschko!

Aber es ist ja auch eine richtige Sportart, das Armwrestling, und vor allem nicht zu vergleichen mit dem Armdrücken im Wirtshaus. Spannagel (32): „Armwrestling, ist weltweit verbreitet. In Deutschland gibt es Meisterschaften, auf internationaler Ebene Europa- und Weltmeisterschaften. Die Armwrestler kämpfen jeweils Mann gegen Mann an einem extra für diese Sportart hergestellten Tisch.“ Und dabei gibt es natürlich auch feste Regeln.

Spannagel, der seit 2006 in Deutschland unbesiegt ist und 2009 Bronze bei der WM in Italien holte, zeigt mir wie’s geht. Gewrestelt wird im Stehen. Mit einer Hand hält man sich am Griff des Tisches fest, mit der anderen Hand hält man die des Gegners. Und dann wird gedrückt. Ein Kampf dauert oft nur wenige Sekunden. Also doch ein wenig wie beim Armdrücken im Wirtshaus? Dieter Spannagel zieht die Augenbrauen zusammen. „Nein, so ist das wirklich nicht. Es gibt verschiedene Techniken beim Armwrestling. Man drückt nie nur mit dem Arm, der gesamte Oberkörper ist involviert. Deshalb trainiert man alles Mögliche: Finger, Unterarme, Bizeps, Schulter…“

Apropos Training – muss ja ganz schön ausgiebig sein bei so einem Armumfang, oder? Spannagel: „Ich bin momentan nicht so im Training. Ich konzentriere mich auf meine Familie und meinen Beruf. Mir gehört eine Elektronikfirma. Aber vor einer Meisterschaft habe ich zweimal pro Tag trainiert, jeweils bis zu zwei Stunden.“

Wie kam der Wahl-Bayer eigentlich zum Armwrestling? War er schon in der Schule immer der Stärkste? Spannagel: „Nee, gar nicht. Ich bin viel später dazu gekommen, habe Videos im Internet gesehen und wollte es einfach mal ausprobieren. So geht es übrigens vielen in Deutschland. Ich habe einen Verein gegründet, die München Gladiators – und sehr viele Anfragen.“ Aber ist der Sport nicht gefährlich? Stichwort: Armbrüche usw. Spannagel: „Im Profibereich werden nie Arme gebrochen. Das passiert eher den Leuten, die zum Spaß in den Kneipen Armdrücken. Man muss schon wissen, wie man es anstellt, ohne die Knochen zu belasten.“ Es geht eben nicht nur um Stärke und Muskeln.

Aber trotzdem mal ein Gedankenexperiment. Würde Spannagel gegen einen Klitschko gewinnen? „Ganz sicher, ich denke nicht, dass die beiden so viel Kraft haben“, so Spannagel. „Und es fehlt eben auch die Technik.“

Lena Meyer