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Ich drück dich nieder!

20.06.2008, 13:26 ( Süddeutsche Zeitung ) Von Lenz Koppelstätter

Ich drück dich nieder!

WM der Armdrücker

Nicht nur russische Präsidenten beweisen ihre Stärke beim Armdrücken. In Norwegen treffen die härtesten Armwrestler zur WM aufeinander. Auch ein Deutscher macht sich auf den Weg.

Am 24. Juni beginnt in Sarpsborg (Norwegen) die EM im Armdrücken. Der dreifache deutsche Meister Dieter Spannagel gilt als Titelfavorit. Der 29-Jährige kam 1998 von Russland nach Deutschland und lebt heute in Buchloe, wo er eine Elektronikfirma betreibt. Armwrestling, so heißt der Sport offiziell, kann durchaus lukrativ sein: Bei manchen Profikämpfen gibt es bis zu 15.000 Euro Preisgeld.

SZ: Guten Morgen Herr Spannagel, haben Sie heute schon trainiert?

Spannagel: Nein, dafür ist es definitiv noch zu früh. Ich trainiere immer abends, jeden Tag außer Sonntag. Außerdem muss ich ständig auf die Waage, um mein Gewicht zu kontrollieren.

SZ: Ihr Gewicht?

Spannagel: Ja, auch bei uns Armwrestlern gibt es Gewichtsklassen.

SZ: Und in welche Gewichtsklasse fallen Sie?

Spannagel: Das ist mein Geheimnis.

SZ: Aha.

Spannagel: Wissen Sie, ich kann 80 Kilo oder 85 Kilo. Aber wenn meine Gegner vor Wettkämpfen erfahren, dass ich auf 85 Kilo gehe, dann schauen sie auf 80 Kilo zu gehen. Und umgekehrt.

SZ: Klingt danach, als ob Sie sehr gefürchtet sind. Werden Sie gewinnen?

Spannagel: Europameister zu werden ist verdammt schwer. Da sind die Russen, die Ukrainer, die Polen – die machen den Sport seit 15 Jahren. Ich bin ja erst drei Jahre dabei. Aber ich bin dreifacher deutscher Meister, ich habe internationale Turniere gewonnen, es läuft.

SZ: Sind Sie Rechts- oder Linksdrücker?

Spannagel: Ich drücke mit beiden Armen, aber rechts bin ich stärker.

SZ: Wie dick sind Ihre Oberarme?

Spannagel: Ich habe 44 Zentimeter am rechten Oberarm. Das hat aber nicht viel zu sagen.

SZ: Wie kamen Sie zu dieser Sportart?

Auf der nächsten Seite: Wie gefährlich ist Armwrestling?

Spannagel: Ich habe im Internet was drüber gelesen und bin dann zu einem Turnier nach Hanau gefahren. Dort habe ich gesehen, dass man diesen Sport professionell betreiben kann. Und ich habe gleich gegen ein paar Armwrestler gewonnen, die schon länger dabei sind. Da hat es mich gepackt.

SZ: Ist Armwrestling gefährlich?

Spannagel: Auf professioneller Ebene gibt es ganz wenig Verletzungen. Höchstens Gelenkverrenkungen, oder was an den Sehnen. Nur einmal habe ich einen Armbruch miterlebt. Aber das war ein sehr unprofessioneller Armwrestler, der zum ersten Mal dabei war.

SZ: Und wie macht man es richtig?

Spannagel: Schultern parallel zum Tisch. Man darf nicht seitlich ziehen, sondern zu sich selbst. Verstehen Sie, immer zu sich selbst. Immer zur anderen Schulter! Mehr mit Brust und Muskeln arbeiten! Nicht seitlich drücken, sonst werden die Knochen zu sehr belastet.

SZ: Wie lange dauert ein Kampf durchschnittlich?

Spannagel: Normalerweise dauert ein Kampf weniger als zwei Sekunden. Aber es hängt auch vom Kämpfertypen ab: Einer ist ein Blitzstarter, der andere hat zum Beispiel wahnsinnige Kraft. Da kann es mal sein, dass ein 50-Kilo-Mann einen 120-Kilo-Mann umhaut.

SZ: Wie lange wollen Sie denn noch armwrestlen?

Spannagel: Ich mache nur sehr wenige Profikämpfe. Jetzt im August zum Beispiel gibt es ein Turnier in Polen: Da stehe ich für Deutschland am Tisch. Aber wenn ich Welt- und Europameister bin, höre ich auf. Ich muss mich auch mal um meine Familie kümmern. Um meinen kleinen Sohn, den trainiere ich.

SZ: Im Armdrücken.

Spannagel: Nein, im Tennis.